"Venite a laudare" 
Leidenschaftliche Prozessionslieder des 13. Jh. aus Mittelitalien
 

Sie nannten sich Disciplinati di Gesù Cristo, Confraternita di Santa Maria delle Laudi, zogen durch die Straßen Umbriens und der Toskana des 13. Jh. und sangen Loblieder zu Ehren Gottes, der Madonna und aller Heiligen. Sie waren auf der Suche nach religiöser und spiritueller Freiheit, denn die Botschaft der geistigen Erneuerung des Heiligen Franz von Assisi hatte die Herzen dieser meist einfachen Leute erreicht. Sie versammelten sich in religiösen Bruderschaften, den sogenannten Laudesi und ihr Bestreben war es, frei von kirchlichen Zwängen, ihren Glauben auch ausserhalb der Kirche praktizieren zu dürfen, dort, wo sich das tägliche Leben abspielte, auf den Straßen der Stadt.

 

Für einige Theologen waren sie und Franz von Assisi damit die Vorreiter der Reformation, die die ersehnte Erneuerung christlichen Lebens und christlicher Gemeinschaft verwirklichten. Eine der berühmtesten Liederbücher dieser Bruderschaften ist der Codex 91 der Accademia Etrusca von Cortona, der sog. „Laudario di Cortona“, das erste uns bekannte Dokument, das von dem Gebrauch des italienischen volgare, d.h. regionalen Dialekten und nicht mehr Latein, in der Musik zeugt. Rechnungsbücher belegen, daß Berufsmusiker für die Begleitung der Sänger bezahlt wurden. In den Büchern verschiedener Bruderschaften finden wir dazu u. a. folgende Instrumente: Portativ, Laute, Fidel, Rebec, Harfe und -für offizielle und ernste Anlässe, Trompeten, Pommern und Trommeln.

 

Die italienische Melodie, die aus der Tradition des gregorianischen Gesanges und des Volksliedes stammt, findet ihren maximalen Ausdruck in den Laude. Im Mittelalter war es gängige musikalische Praxis, religiöse Texte mit profaner Musik zu versehen und umgekehrt (Kontrafaktur), man bediente sich der Melodien

und Rhythmen aktueller „Schlager".

Eine Lauda mußte die Herzen der Leute entflammen: „Venite a laudare, kommt und lobpreist mit uns!“

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