"Pentameron"

Legenden, Magie und Liebe in der Musik zur Zeit der „Geschichte der Geschichten“

Legends, magic and love in music at the time of the „Tale of tales“

 

1634 erscheint in Neapel die zweifellos bedeutendste Sammlung von Geschichten und Volkslegenden aller Zeiten: der "Pentamerone" oder “Lo cunto de li cunti" (die Erzählung der Erzählungen) von Giovan Battista Basile (1575 -1632). 

Zum ersten Mal werden diese bislang nur mündlich überlieferten Geschichten, Mythen, Sprüche und Legenden auf Papier gedruckt. Sie sollen der Unterhaltung aber auch der Verbreitung moralischer und ethischer Prinzipien dienen, denn sie sind an ein reifes, oftmals ungebildetes Publikum gerichtet, das in der Lage ist, die häufigen Zweideutigkeiten und Metaphern zu verstehen.

An fünf Tagen werden darin von zehn Frauen jeweils zehn Geschichten in neapolitanischem Dialekt erzählt, weshalb das Werk auch „Pentamerone“, Fünf-Tage-Werk (griechisch: pénte = fünf und hēméra = Tag), genannt wird. Basile erweckt auf diese Weise erstmals das literarische Genre des „Märchens“ zum Leben, das in ganz Europa mit Begeisterung aufgenommen und verbreitet wird. Autoren wie Grimm, Perrault und Brentano bedienten sich dieser Sammlung, wir alle kennen von Kindesbeinen an die Figuren der Märchen z.B. der Gebrüder Grimm.

Ob vor dem häuslichen Kamin, in den Innenhöfen der Landhäuser oder bei einer höfischen Konversation: Basile schreibt seine Geschichten für eine ritualisierte Erzähl-Situation: es sollten Momente des Austausches und der Unterhaltung sein, in denen die Erzählkunst, zusammen mit Musik, Tanz und Schauspiel zu einem dynamischen Miteinander wird.

 

So wie im Pentamerone Geschichten aus der mündlichen und der klassischen Überlieferung koexistieren, so finden wir auch in diesem neuen Projekt des Ensembles Oni Wytars Lieder sowohl aus der Kunstmusik zur Zeit Basiles als auch der Volkstradition. Basile selbst erwähnt in seinen Werken des öfteren seine persönlichen Bekanntschaften mit zeitgenössischen Komponisten wie z.B. Velardiniello.

Aufgeteilt in fünf musikalische „Tage“ erzählt sich die „Geschichte der Geschichten“ in Form der ursprünglichsten und zugleich kunstvollsten Blüten, die die Musikkultur Süditaliens hervorgebracht hat, Musik, die „erzählt“: vom traditionellen Gesang zur Trommel bis zur reichlich ausgeschmückten Villanella, von der Tarantella der Straßen und Gassen Neapels zur höfischen Tanzmusik.

Das Ensemble Oni Wytars inspiriert sich an den Autoren der bekanntesten Villanellen wie Costanzo Festa, Baldassare Donato, G. Da Nola, G. Leonardo Dell’Arpa und Velardiniello, die es verstanden, auf unvergleichliche Art und Weise diese Melodien von bezaubernden Einfachheit, die einfach nicht mit den Regeln der damals üblichen Kunstmusik „kompatibel“ sein wollten, zu dem zu machen, was später als „la Canzone Napolitana“ ganz Europa erobern sollte.

 

Wir wollen den Hörer zurückversetzen in jene Atmosphäre der Innenhöfe und Stuben, in denen beim letzten Licht der Dämmerung in Geschichten und Liedern tragische Figuren zum Leben erweckt werden, die davon träumen, aus der Armut zu Reichtum zu kommen, von der Hässlichkeit zur Schönheit, von einem niedrigeren zu einen höheren sozialen Rang, von der Einsamkeit zur Liebe.

 

Ensemble Oni Wytars: 

Gabriella Aiello - Gesang, Kastagnetten // Peter Rabanser - Gesang, Barockgitarre, Colascione // Marco Ambrosini - Schlüsselfidel, Mandoline // Riccardo Delfino - Gesang, Harfe, Colascione // Michael Posch - Blockflöten // Katharina Dustmann - Perkussion

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